Das Konzept der Lernumgebung

Trotz der zentralen Bedeutung für die Weiterbildung ist der Begriff der Lernumgebung unscharf. Häufig wird sie mit dem didaktisch-methodischen Arrangement gleichgesetzt, also mit der Auswahl des Inhalts und mit methodischen Entscheidungen, die es dem Lernenden ermöglichen, ein Thema zu bearbeiten. Allerdings darf das Feld des Lehrens und Lernens darauf allein nicht reduziert werden. Der aus der anglo-amerikanischen Diskussion übernommene Begriff des instructional design versucht, die Elemente des organisierten Lernens möglichst umfassend zu beschreiben und dabei Komponenten wie Lernziele, die Rolle des Lehrenden, den Zeitrahmen,  Mediennutzung, Interaktionsformen etc. zusätzlich zu berücksichtigen. Noch umfassender zu denken ist der Begriff der Lernumgebung. Er beschreibt die pädagogische Grundorientierung, die sich aus den spezifischen Aufgaben von Bildungsorganisationen und ihrem Selbstverständnis ergibt und in den Organisationszielen, den dem Personal zugewiesenen Funktonen, den typischen Angebotsformen und Programmschwerpunkten zum Ausdruck kommt.

Deshalb ist es sinnvoll, Lernumgebungen nach ihrer intentionalen Grundausrichtung zu unterscheiden:

Seminare zur allgemeinen Erwachsenenbildung:
Sie sind durch die Intention geprägt, Teilnehmenden die Reflexion ihrer Einstellungen, Meinungen, Werthaltungen zu ermöglichen und sie beim Erwerb von Wissen, das eher ‚zweckfrei’, also nicht unbedingt zum Einsatz in spezifischen Verwendungskontexten gedacht ist, zu unterstützen..

Praxisorientierte Seminare
zeichnen sich durch die Ausrichtung an verwertbarem Können aus. Sie zielen auf  die Umsetzung des Gelernten in wechselnde Situationen ab. Dies erfordert vom Lernenden, allgemeines Wissen auf spezifische Situationskonstellationen beziehen, es auf sie ‚übersetzen’ zu können.

Schulungen
Lernumgebungen dieser Art verfolgen die Intention, anwendbares Regelwissen zu vermitteln. Die Lernenden sollen hiernach in der Lage sein, invariante Handlungsmuster in entsprechenden Situationen einzusetzen.

Abschlussbezogene Seminare
Hier steht der Evaluationsaspekt, die Ausrichtung auf eine wie immer gestaltete Prüfung im Vordergrund. Damit ist der Selektionsaspekt für diese Lernumgebung prägend. Sie ist letztlich auf die Intention ausgerichtet, den Lernenden die zeitgenaue Wiedergabe abrufbaren Wissens zu ermöglichen.

Neben diesen „klassischen“ Lernarrangements gewinnt die informelle Lernumgebung zunehmend Aufmerksamkeit. Sie versammelt Lernende, die sich ein Sachgebiet oder eine Fähigkeit ohne Rückgriff auf Formen organisierten Lernens angeeignet haben. Statt dessen haben sie selbständig mit Handbüchern, mit Freunden, mit Probieren, Tüfteln etc. gearbeitet.

Schließlich ist die virtuelle Lernumgebung in das Projekt mit einzubeziehen, in der Lernende sich auf computergestütztem Weg Kenntnisse und Fähigkeiten in einem Sachgebiet angeeignet haben.

Ein Beispiel

Wenn eine Einrichtung auf den Erwerb einer beruflichen Qualifizierung und Prüfung ausgerichtet ist, so hat das unmittelbar Folgen für die betreffende Lernumgebung. Eine Prüfung ist dadurch gekennzeichnet, dass der Prüfling zu einem festgelegten Zeitpunkt eine festgelegte Menge an Wissen oder Können bereitstellen muss. Selbst wenn der mittelbare Zwick dafür eingesetzter Kurse in der Befähigung zu kompetentem beruflichen Handeln liegt, so besteht sein unmittelbarer – und von den Teilnehmenden auch so gesehener - Zweck in der Vorbereitung auf die Abschlussprüfung. Es muss im Kursverlauf sichergestellt sein, dass alle potentiellen Prüfungsinhalte angesprochen wurden und ein für das Sachgebiet kompetenter Kursleiter zur Verfügung steht. Die Lernziele sind über die Anforderungen der betreffenden Prüfungsordnung festgelegt, die Instruktionsstrategie ist vorzugsweise auf Wiedergabe ausgerichtet, der Tendenz nach läuft die Interaktion über die Kursleitung, das Methodenarrangement ist eher präsentationsorientiert, die Evaluationsformen sind ergebnisorientiert, es handelt sich also um Formen der Produkt- und weniger der Prozessevaluation. Lernstrategien vom Typ Aufnehmen–Behalten–Erinnern–Abrufen stehen im Vordergrund.

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