Konzeption

Als Grundlage für die  Multiplikatorenfortbildung des Projektes wurde von der Konzeptgruppe ein Konzept erarbeitet, welches den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Diskussion in den Bereichen intergenerationelles Lernen und  Bildung für eine nachhaltige Entwicklung berücksichtigt.
Die Fortbildung wird für 16 Personen aus 15 Projektstandorten angeboten und gliedert sich in drei Phasen.

Phasen der Fortbildung

  1. Qualifizierungsphase:
    In dieser ersten Phase finden die zentralen Fortbildungseinheiten zur Qualifizierung der Teilnehmenden (Auftaktveranstaltung plus 3 mal vier Tage) statt.
  2. Praxisphase:
    In der Praxisphase werden die Teilnehmenden eigene Bildungsveranstaltungen im Kontext einer intergenerationellen Bildung für nachhaltige Entwicklung an ihren Projektstandorten durchführen. Die Teilnehmenden werden während der Praxisphase fachlich begleitet und kollegial beraten.
  3. Auswertungs- und Publikationsphase:
    Eine anhaltende Wirkung in der Erwachsenenbildungslandschaft soll unter anderem durch eine Werkwoche und eine Veröffentlichung der Ergebnisse in einem Handbuch erzielt werden. An diesen beiden Prozessen sind die Teilnehmenden aktiv beteiligt.

Kompetenzmatrix

Die Kompetenzmatrix dient innerhalb der Fortbildung als ein Instrument des partizipativen Lernens und soll verdeutlichen helfen, über welche Kompetenzen die Teilnehmenden verfügen und in welchen sie ihre persönlichen Kompetenzbereiche erweitern wollen. Auf der Auftaktveranstaltung wird diese Matrix mit den Teilnehmenden diskutiert und diese haben die Möglichkeit sich mit vorhandenen Kompetenzen und Wünschen innerhalb der Matrix zu positionieren. Auf dieser Basis können dann verschiedene Module der Fortbildung inhaltlich und methodisch über- oder neu erarbeitet werden.

 

Die Kompetenzmatrix beinhaltet auf der einen Seite Kompetenzebenen:

  • Auf der fachlichen Ebene geht es darum, sich Fachwissen anzueignen und theoretische und wissenschaftliche Hintergründe zu erschließen.
  • Auf der methodischen Ebene geht es um das Kennen lernen und Erproben verschiedener methodischer Zugänge, Instrumente und Lernformen, sowie um die Reflektion und Erprobung von (Selbst)Lernmodellen.
  • Auf der kommunikativen und sozialen Ebene geht es um interaktive, diskursive und moderative Fertigkeiten als auch um konfliktbearbeitende und metakommunikative Kompetenzen.
  • Auf der personalen Ebene geht es um Selbstreflexion, Metakognition, Entwickeln von Werten und Werturteilen, Empathie, Toleranz, Motivation, Weltoffenheit, Empowerment, sowie darum Komplexität, Widersprüche und Ohnmachtsgefühle aushalten zu können.

Auf der anderen Seite werden drei inhaltliche Bereiche der Fortbildung hervorgehoben:

  1. Intergenerationelles Lernen:
    (Theorie und Praxis der Generationenbeziehungen und der Bildungsarbeit in altersheterogenen Gruppen)
  2. Bildung für nachhaltige Entwicklung:
    (Theorie und Praxis der Nachhaltigkeit und des Globales Lernens)
  3. Miteinander Lernen
    Theorie und Praxis spezifischer partizipativer Lehr- und Lernmethoden)

Sozialraum- und Lernortanalyse

Partizipatives Lernen
Partizipation ist ein zentrales Element und Qualitätsmerkmal der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Ohne aktive Teilhabe und Mitgestaltung von Einzelnen und Gruppen ist eine nachhaltige Entwicklung global wie lokal nicht zu realisieren.
Vor diesem Hintergrund sollten auch Bildungsprozesse, die im Kontext der Nachhaltigkeit angesiedelt sind, partizipative Lehr- und Lernmethoden berücksichtigen. Dadurch werden Einzelne und Gruppen ermutigt und befähigt, selber aktiv zu werden und zu handeln.
Die Berücksichtigung partizipativer Lernformen und -methoden ist insofern didaktisch von entscheidender Bedeutung, um die Anschlussfähigkeit der Lernprozesse an künftige Situationen und ihre Gestaltung durch die Lernenden zu gewährleisten.
Von daher sollen verschiedene partizipative Lehr- und Lernmethoden in der Fortbildung integriert, erprobt und in ihren Einsatzmöglichkeiten erfahrbar werden.

Das Verhältnis von Bildung und Engagement
Durch Bildung für nachhaltige Entwicklung sollen Menschen befähigt werden, sich für eine sozial und ökonomisch gerechte, eine friedliche und eine ökologisch verträgliche Entwicklung zu engagieren.
Doch stehen die pädagogische Perspektive von Bildung, Lernen und Kompetenzerwerb einerseits und die praktisch-politische Perspektive von Engagement, Handeln und Aktion andererseits in einem kontinuierlichen Spannungsfeld. Oftmals sind die beiden Perspektiven nur schwer voneinander zu trennen, denn  Bildungsangebote werden nicht selten mit Aktionsformen und politischen Kampagnen vermischt, sie gehen in einander über und überschneiden sich. Doch das vorliegende Konzept bezieht sich nicht auf eine politische Kampagne oder ein praktisches Aktionsprogramm. Es konkretisiert ein Qualifizierungsprojekt der Erwachsenenbildung und handelt sich somit um ein Bildungsangebot.
Als solches ist die angestrebte Vermittlung und Vertiefung von Kompetenzen im Projekt ein ergebnisoffener Bildungsprozess. Auch die 15 MultiplikatorInnen, die im Rahmen des Projektes qualifiziert werden, müssen akzeptieren, dass trotz eines möglicherweise weitreichenden Kompetenzerwerbs der Teilnehmenden in den 15 Projektstandorten daraus nicht zwingend Aktionen und praktisches und politisches Engagement erfolgen. Welche Konsequenzen Einzelne oder Gruppen letztlich aus dem Bildungsprozess ziehen und wie sie mit ihrem neu Gelerntem umgehen, können MultiplikatorInnen einer intergenerationellen Bildung für nachhaltige Entwicklung sicherlich beeinflussen aber keinesfalls planen, steuern oder gar festlegen. Bildung für nachhaltige Entwicklung kann informieren, sensibilisieren, motivieren und zu Engagement befähigen. Sie kann aber dieses Engagement nicht einfordern.

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