Neues aus dem Projekt

Im Juli 2005 ist ein Newsletter für die etwa 250 Teilnehmenden an den 15 Erprobungsseminaren erschienen. Daraus der folgende Auszug

Lernen und Gerechtigkeitsempfinden
Man darf annehmen, dass sich die Ergebnisse aus Schulstudien übertragen lassen: Wer die Rahmenbedingungen als gerecht erlebt und glaubt, sich in einem gerechten Umfeld zu bewegen, hat größere Chancen, das Lernen als stimulierend und wertvoll zu erleben, wird eher einen Sinn in seinen Anstrengungen erblicken und schließlich auch eher gute Resultate erzielen. Dies wieder wird Wohl-befinden, Lernmotivation und auch Gerechtigkeitsempfinden fördern, was wiederum gute Voraussetzungen für weitere Anstrengungen schafft. Die positive Ausgangserwartung initiiert Kreisläufe der Motivation. Aber auch Teufelskreise der Demotiva-tion sind denkbar: Wer von ungerechten Rahmenbe-dingungen ausgeht (weil er z. B. als Arbeitsloser vom Arbeitsamt in eine Fortbildungsmaßnahme „gesteckt“ wurde, von der er sich keinen neuen Arbeitsplatz erwartet), wird wenig Sinn in seinen Anstrengungen erblicken, sich nicht wohlfühlen und kaum gute Resultate erzielen, was wiederum sein Ungerechtigkeitsgefühl steigern und ihn von weiteren Anstrengungen abhalten kann. Somit haben Menschen mit ausgeprägtem Gerechtigkeitsschema erheblich bessere Chancen für lebenslanges Lernen als Menschen mit ausgeprägtem Ungerechtigkeitsschema.  Neben den kognitiven Fähigkeiten sind also auch Variablen der sozial-emotionalen Integration (wie das Gerechtigkeitsempfinden) bei Lernprozessen in den Blick zu nehmen.

Einige Bedingungen für Lernerfolg
Ob in einem Kurs erfolgreich gelernt werden konnte, steht in Verbindung mit der Tatsache, ob die Kursteilnehmer/innen über geeignete Lernstrategien verfügten. Hieraus ergibt sich als pädagogische Folgerung: Die Kursleitung sollte auf den lernstrategischen Aspekt gezielt eingehen. Das heißt im einzelnen: Lerntechniken ansprechen und einüben und Lernstrategien in ihren Leistungen darstellen.
Wenn den Teilnehmer/innen ihr eigenes Lernziel sowie das Kursziel klar ist, kann auch das eigene Lernen besser eingeschätzt werden, da dadurch Einordnungskriterien für die eigenen Lernleistung bestehen und somit überprüfbar sind. Pädagogische Konsequenz wäre hier eine klare Absprache zu Kursbeginn über das Kurs- und Lernziel der Beteiligten zu treffen und entsprechende Kriterien zu finden.
Wenn eine mit den Teilnehmer/innen zusammen entwickelte Lernerfolgskontrolle durchgeführt wurde, haben diese einen besseren Einblick in ihre Lernprozesse und können dieses Wissen auch für den Transfer in den privaten oder beruflichen Alltag nutzen. In unserem Projekt wurde dieser Sachverhalt besonders deutlich in den nach Kursende durchgeführten Telefoninterviews mit den Teilnehmer/innen. Beispielhaft ist das an einem Seminar zu sehen, in dem das Lerntagebuch eingeführt und auch nach dem Kurs genutzt wurde, um Gelerntes im Alltag umzusetzen.

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